WINTER NOTE|Eisschnelllauf-Ausgabe – Hamar als Anlaufbahn.
„Hier fällt die Entscheidung“ – Weltcup 4 in Hamar als Weggabelung
Die „Viking Ship“-Halle im norwegischen Hamar ist für Eisschnellläufer ein besonderer Ort. Sie steht in der Tradition der Olympischen Spiele von Lillehammer 1994 – und hat dieses markante, etwas eigenwillige Dach. Der 4. Lauf des ISU Speed Skating World Cup im Dezember 2025 wurde zum echten „Wendepunkt der Olympiasaison“, bei dem Startplätze für Milano Cortina 2026 auf dem Spiel standen.
Dort lieferte das japanische Team Ergebnisse ab, die fast schon zu gut wirkten. In den Frauendisziplinen über die mittleren Distanzen gewann Miho Takagi sowohl über 1500 m als auch über 1000 m. Über 500 m holte Yukino Yoshida ihren ersten Weltcupsieg der Saison. Auch im Teamverfolgungsrennen der Frauen blieb Japan ununterbrochen auf dem Podium. In der Summe war das stark genug, um bereits zum Jahresende sagen zu können: „Japan ist voll in der Medaillenverlosung für die Olympischen Spiele.“
Doppelsieg von Miho Takagi – gewinnen und trotzdem weiter Fehler suchen
Am ersten Tag sicherte sich Takagi im 1500-Meter-Rennen ihren ersten Weltcupsieg der Saison mit einer Zeit im Bereich von 1:54. Für eine Läuferin, die schon so oft nahe an den Weltrekord herangelaufen ist, war das vielleicht ein Rennen, bei dem sie dachte: „Da geht noch mehr.“ Im Rahmen einer Saison, die auf Milano ausgerichtet ist, ist es aber von enormer Bedeutung, ein solches Rennen sauber zu Ende zu bringen und zu gewinnen.
Tags darauf lief sie über 1000 m eine Zeit im niedrigen 1:14-Bereich und ließ dabei unter anderem Sprintkönigin Femke Kok hinter sich – zweiter Sieg in Folge. Als sie sagte: „Mit jedem Rennen wird mein Gefühl auf dem Eis besser“, wirkte ihr Gesichtsausdruck anders als vor oder unmittelbar nach Peking – als wäre ein Teil der Anspannung endlich von ihren Schultern abgefallen.
„Sie gewinnt – und kritisiert ihr eigenes Laufen trotzdem weiter.“ Vielleicht ist genau das der interessanteste Aspekt an Miho Takagi als Eisschnellläuferin.
Yukino Yoshida holt endlich ihren ersten Saisonsieg über 500 m
Über 500 m der Frauen war die 22-jährige Yukino Yoshida der Star. Im ersten Rennen stand sie bereits auf dem Podium und ließ sofort den Eindruck entstehen, dass „die Chance auf einen Sieg bald kommt“. Im zweiten Rennen bestätigte sie diesen Eindruck mit einer starken 37,65 und feierte ihren ersten Weltcupsieg der Saison.
Selbst wenn sie aus dem Startblock heraus explodiert und auf den ersten 100 m die schnellste Zeit läuft, bricht ihre Technik danach nicht auseinander. Wie sie die Gerade nahezu ohne sichtbaren Geschwindigkeitsverlust bis ins Ziel herunterläuft, macht sehr deutlich: „Japan hat wieder eine Weltklasse-Sprinterin über 500 m.“
Nach dem Rennen sagte Yoshida: „Dass ich hier wirklich gewinnen konnte, hat mir eine weitere wertvolle Erfahrung gebracht.“ In Milano wird sie mit 22 Jahren ihre ersten Olympischen Spiele bestreiten – mitten im Kampf um die Medaillen auf den kurzen Distanzen.
Teamverfolgung und Männerteam – ein Wettkampf, der Japans Breite zeigte
Im Teamverfolgungsrennen der Frauen traten Momoka Horikawa, Miho Takagi und Ayano Sato an und liefen auf Platz drei. In allen drei Teamverfolgungsrennen des bisherigen Weltcups stand Japan damit auf dem Podium – das Bild, dass „Japan auch in den Teamwettbewerben dauerhaft um die Spitze fährt“, verfestigt sich zunehmend.
Bei den Männern holte Yuta Hirose im 500-Meter-Rennen seinen ersten Weltcup-Podestplatz, und auch in Massenstart und Mittelstrecken machten junge Läufer Schritt für Schritt auf sich aufmerksam. Es ist also längst nicht mehr nur das Frauenteam, das herausragt; vielmehr entsteht das Gefühl, dass die „Kaderbreite im japanischen Eisschnelllauf“ – bei Frauen und Männern – nun wirklich Substanz bekommen hat.
WINTER NOTE-„Wiederholungslinks“ – Hamar noch einmal anschauen
Um die Rennen im neuen Jahr noch mehr genießen zu können, lohnt es sich, die Läufe von Hamar mindestens einmal in den Videoaufzeichnungen nachzuvollziehen. Hier ein paar offizielle Posts, die sich gut als Einstieg eignen.
Japan Skating Federation – Ergebnisübersicht Hamar
ISU Speed Skating – Post zum 500-Meter-Sieg von Yukino Yoshida
Wenn man die lange Gerade von Hamar als Anlaufbahn in Richtung Milano Cortina versteht, bekommen diese beiden Tage zum Jahresende eine ganz eigene Bedeutung. Es war ein Weltcup-Wochenende, das einen neugierig auf das Jahr 2026 macht – und darauf, wie sich dort die Antworten zeigen werden.
