WINTER NOTE | Rückblick auf die erste Hälfte von Milano Cortina 2026 – Japans 14 Medaillen und die Highlights der zweiten Halbzeit

WINTERSPORT

2026年2月14日

WINTER NOTE | Rückblick auf die erste Hälfte von Milano Cortina 2026 – Japans 14 Medaillen und die Highlights der zweiten Halbzeit

Etwa eine Woche nach der Eröffnungsfeier. Jedes Mal, wenn die Beleuchtung des San Siro und die verschneite Kulisse der Dolomiten abwechselnd eingeblendet werden, spürt man, wie „Milano“ und ein „Bergresort“ innerhalb derselben Spiele nebeneinander existieren. In dieser WINTER NOTE möchte ich Milano Cortina 2026 zur Halbzeit aus japanischer Sicht Revue passieren lassen – mit Fokus auf Team Japan – und die wichtigsten Punkte für die zweite Hälfte zusammenfassen.

Laut offizieller Medaillentabelle des IOC steht Japan mit Stand Ende 13. Februar bei insgesamt 14 Medaillen: 3 Gold, 3 Silber und 8 Bronze. In der Nationenwertung liegt Japan in der Gruppe um Platz 9 und jagt damit den Winter-Schwergewichten wie Norwegen, Gastgeber Italien und den USA hinterher. Mit Blick auf Japans Winter-Rekord von 18 Medaillen aus Beijing 2022 ist das Tempo ähnlich – und der Eindruck bislang lautet: „Japan holt die Medaillen, die es in den Ziel-Disziplinen holen muss, konsequent.“

Die Eröffnungsfeier im San Siro in Milano steckte voller italienischer Elemente – Oper, Mode – und war unter das Thema „Harmony (Harmonie)“ gestellt. Die Verbindung zwischen Stadt- und Berg-Austragungsorten wirkte wie ein Prolog für die vielen unterschiedlichen Sportarten, die noch folgen sollten.

Star auf Schnee ist Snowboard: Big Air & Halfpipe sorgen für die großen Momente

Wenn man Team Japan bei diesen Spielen erklären will, muss man zuerst über Snowboard sprechen. Im Männer-Big-Air gewann Kira Kimura souverän Gold, Ryoma Kimata holte Silber – ein japanischer Doppelsieg. Nach Jahren der Jagd nach „dem Gipfel im Big Air“ ist Japan endlich angekommen. Zwei japanische Rider, die im Livigno-Night-Game über einen riesigen Kicker frei durch die Luft wirbeln – das ist schon jetzt eines der Bilder, die Milano Cortina symbolisieren.

Im Frauen-Big-Air erreichte Kokomo Murase – Bronze bei Beijing 2022 – endlich Gold und holte Japans erstes olympisches Gold im Frauen-Snowboard überhaupt. Nach zwei Runs lag sie auf Rang zwei, ehe sie im dritten Run alles auspackte und das Blatt wendete. Ein Big-Air-Drama in Reinform: „ein Run verändert den Verlauf.“

Auch im Halfpipe ist Japan sehr präsent. Bei den Frauen gewann Mitsuki Ono Bronze und machte die Enttäuschung von Beijing nach vier Jahren wett. Bei den Männern holte Yuto Totsuka Gold, Ryusei Yamada gewann Bronze – erneut ein Doppelpodest. Zusammen mit Big Air ist Snowboard allein inzwischen Japans „Medaillen-Motor“ auf Schnee: 3 Gold, 1 Silber und 2 Bronze.

Snowboard ist nicht nur „fliegen“ und „rotieren“, sondern auch Stil, Musikalität und die Art, wie man einen Run zeigt. In der ersten Hälfte dieser Spiele haben Japans junge Rider diese Freude am besten verkörpert – ein Eindruck, der sich nicht mehr wegdiskutieren lässt.

Skispringen und Eiskunstlauf: Geschichten aus der Luft und vom Eis

Auch Japans traditionell starkes Skisprung-Team hat geliefert. Im Frauen-Normalschanzen-Einzel gewann Noya Maruyama Bronze. Nach Platz drei im ersten Durchgang blieb sie im zweiten stabil und holte Japans erste individuelle Medaille im Frauen-Skispringen seit PyeongChang 2018. Im Männer-Normalschanzen-Wettbewerb gewann Ren Nikaido ebenfalls Bronze. Und im Mixed-Team Normalschanze sicherte sich das Quartett Maruyama, Sara Takanashi, Ryoyu Kobayashi und Nikaido Bronze. Dass Japan im relativ neuen Mixed-Team-Event endlich auf dem Podest steht, ist ein weiteres großes Thema.

Auf dem Eis blieb vor allem die Silbermedaille im Teamwettbewerb des Eiskunstlaufs hängen. Yuma Kagiyama, Shun Sato, Kaori Sakamoto, Riku Miura / Ryuichi Kihara sowie Utana Yoshida / Masaya Morita – die „Gesichter“ dieser Generation – traten gemeinsam an und lieferten den USA bis zum Schluss einen Fight. Am Ende fehlte nur ein Punkt zum Gold, doch das Event bewies: Japan kann auch als Team mindestens auf Augenhöhe mit der Weltspitze kämpfen.

Und dann das Männer-Einzel: Ilia Malinin, in der Vorschau der überragende Favorit, wurde überraschend nur Achter. Den Titel gewann stattdessen Kasachstans Mikhail Shaidorov. Inmitten dieses Umbruchs landete Japan ein Doppelpodest: Yuma Kagiyama gewann Silber, Shun Sato Bronze. Obwohl beide nach ihren Programmen auch Herausforderungen benannten, war die Fähigkeit, „nach einem Sturz wieder zurückzufinden“ und „durchzulaufen“, eine Stärke, die später entscheidend werden kann.

Im Eisschnelllauf gewann Miho Takagi Bronze über 1000 Meter. In Beijing 2022 hatte sie in dieser Disziplin Gold geholt, entsprechend sprach sie auch über Enttäuschung – doch drei Olympische Spiele in Folge im selben Event auf dem Podest zu stehen, ist schlicht außergewöhnlich. Wie die junge Generation dieser Leitfigur im japanischen Eissport nachjagt – auch hier ist ein Generationswechsel spürbar.

Im Freestyle-Ski Moguls holte Ikuma Horishima Bronze. Trotz Angriff auf dem steilen Buckelhang zeigte er einmal mehr seine Fähigkeit, auf der größten Bühne „abzuliefern“. Moguls ist eine Disziplin, in die Japan lange investiert hat – und eine Medaille bedeutet, dass diese Geschichte weitergeschrieben wird.

Was die Medaillentabelle über „Japans aktuelle Position“ aussagt

Ordnet man die Zahlen, dann kommt Japans Medaillenausbeute bislang vor allem aus Schnee-Disziplinen. Alle drei Goldmedaillen stammen aus Snowboard. Von den drei Silbermedaillen sind zwei im Eiskunstlauf (Team und Männer-Einzel), die dritte ist Ryoma Kimatas Silber im Männer-Big-Air. In den acht Bronzen finden sich: drei im Skispringen, zwei im Snowboard sowie je eine in Freestyle-Ski, Eisschnelllauf und Männer-Eiskunstlauf.

Mit 14 Medaillen liegt Japan derzeit hinter Gastgeber Italien und Winter-Großmächten wie Norwegen und den USA. Betrachtet man nur die Zahl der Goldmedaillen, gibt es Abstand – doch Japans Ansatz „in vielen Sportarten konstant aufs Podest“ wirkt im Vergleich zu Beijing 2022 deutlich geschliffener.

Ob Japan am Ende die 18 Medaillen aus Beijing übertrifft, hängt natürlich von der zweiten Hälfte ab. Aber allein, dass schon jetzt in so vielen unterschiedlichen Sportarten Medaillen kommen, zeigt die wachsende Breite des japanischen Wintersports.

Highlights der zweiten Halbzeit: zurück in die „Luft“ und aufs „Eis“

Auch in der zweiten Hälfte gibt es für Japan viele Chancen. Zunächst weiterhin Snowboard: In Livigno stehen Slopestyle, Snowboardcross und Mixed-Team-Events an, und viele der Protagonisten aus Big Air und Halfpipe werden erneut auftauchen. Besonders Slopestyle – mit Rails und Kickern – verlangt sowohl eine große Trick-Palette als auch flüssige Verbindungen. Für Japans technische Rider könnte das eine passende Bühne sein.

Im Skispringen warten die Large-Hill-Einzelwettbewerbe und Team-Events. Welche Sprünge zeigen Maruyama, Nikaido, Ryoyu Kobayashi, Sara Takanashi und Co. auf der größeren Silhouette der Großschanze? Außerdem: Kann das „Gefühl, als Team eine Medaille zu holen“, das im Mixed-Team gelang, in das Männerteam übertragen werden – und langfristig vielleicht auch in Richtung eines Frauen-Teams?

Im Eiskunstlauf geht es zunächst um die Paarläufer: Die amtierenden Weltmeister Riku Miura / Ryuichi Kihara greifen nach Gold. Nach ihrem wichtigen Beitrag im Teamwettbewerb ist nun die Frage, wie weit sie die Vollständigkeit in ihrem eigenen Wettbewerb steigern können. Gegen Ende der Spiele folgt das Frauen-Einzel mit Kurzprogramm (17.) und Kür (19.) – mit Kaori Sakamoto, Mona Chiba und Ami Nakai. Für Sakamoto – Olympiasiegerin von Beijing – steht die Titelverteidigung im Raum; für die beiden Jüngeren ist es die Herausforderung, bei ihrem ersten Olympia-Auftritt „ihr eigenes Skaten“ bis zum Ende durchzuziehen.

Hinzu kommen Shorttrack, mittlere und lange Distanzen im Eisschnelllauf, Curling und Eishockey – viele Team- und Spielsportarten erreichen ebenfalls ihre kritischen Phasen Richtung Medaillenrunde. Besonders Japans Frauen-Curling-Team könnte – je nach Verlauf der Round-Robin – erneut in den Medaillenkampf rutschen. Curling, bei dem sich der Flow über Zeit langsam verschiebt, ist eine ganz andere Art Spannung – und als Kontrast zwischen Hochgeschwindigkeits-Sprüngen und Snowboard-Action besonders reizvoll.

Ein kleiner Tipp, um die Spiele vor dem Fernseher mehr zu genießen

Zum Schluss ein kleiner Tipp für noch mehr Spaß in der zweiten Hälfte: Öffnet Zeitplan und Medaillentabelle der offiziellen Website und legt pro Tag eine „Lieblings-Disziplin“ fest. Etwa: „Heute hat Japan hier eine Chance“, oder „hier könnte es die großen Szenen der internationalen Stars geben“. Wenn man alles verfolgen will, wird man von der Informationsmenge schnell erschlagen. Aber wenn man sich für eine Sache entscheidet – „das schaue ich heute live“ – werden die Olympischen Spiele plötzlich viel näher.

Milanos urbane Kulisse und die verschneiten Berge von Cortina und Livigno. Während wir auf dem Screen zwischen diesen beiden Landschaften hin- und herwechseln, schreiben Japans Athletinnen und Athleten diesen Winter verlässlich weiter Geschichte. Als WINTER NOTE möchte ich diese Spiele weiterhin aus „japanischer Perspektive“ verfolgen – und dabei manchmal auch bewusst etwas entspannter hinschauen – bis zum letzten Tag von Milano Cortina.